Trauerarbeit

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03 Juli 2008 18:16 #4045 von Anonymous
Trauerarbeit wurde erstellt von Anonymous
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wer im Pflegeheim arbeitet, kommt früher oder später in die Situation, Sterbebegleitung und Trauerarbeit zu leisten.
Auch ohne Fortbildung in diesem Bereich habe ich bereits viele Sterbende in der letzten Lebensphase begleitet, die entsprechende Weiterqualifizierung (neben dem Wälzen unzähliger Bücher) hole ich im Herbst dieses Jahr nach.

Heute bin ich mal wieder in die Situation gekommen, auch den Angehörigen während des Sterbeprozesses zu begegnen und Trauerarbeit zu leisten. 
Leider sterben noch zu viele Bewohner in Abwesenheit der Angehörigen, erst nach ihrem Ableben und spätestens auf dem Friedhof sieht man sie dann wieder. Klingt vielleicht fies, aber der Tod ist in unserer Gesellschaft leider ein Tabuthema und mit vielen Ängsten behaftet.

Ich habe zur Tochter der heute verstorbenen Bewohnerin zwar einen guten Draht, merkte aber doch, dass ich anders an die Sterbebegleitung heranging als sonst. Eben weil sie auch anwesend war und ich im Hinterkopf immer daran denken musste "Wie wird sie das jetzt auffassen?"
Die Tatsache, dass die Tochter ehemals als Erenamtliche bei uns arbeitete und allem gegenüber sehr kritisch gegenüberstand, trug sicher zu meiner Unsicherheit bei.
Ich habe zum Beispiel Kirchenlieder gesungen und mit einem in Tee getränkten Wattebausch den Mund der Sterbenden ausgestrichen. Bei meinen verbalen Begleitungen weinte die Tochter hemmungslos und musste sich abwenden und das ist ja auch mehr wie verständlich. Ich vergewisserte mich auch immer wieder, ob es für sie in Ordnung sei dass ich da bin und erklärte was ich gerade mache.
Schließlich möchte man nicht den Ruf des Hauses schädigen, weil Angehörige das eigene Verhalten als pietätlos empfinden. Mein Bauchgefühl sagte mir zwar, dass dem nicht so war, aber ich fühlte mich in der Situation doch recht hilflos. Nach dem letzten Atemzug haben wir noch lange miteinander geredet, aber ich musste nach "den richtigen Worten" ringen falls es sowas überhaupt gibt. Ich mag mich nicht nur auf mein Bauchgefühl verlassen.

Daher meine Frage an euch: Wie geht ihr mit den Angehörigen eines Sterbenden um? Was sagt ihr ihnen?

Ich warte gespannt auf eure Antworten, zumal noch zwei Bewohner bald heimgeholt werden und ich den Angehörigen gegenüber noch sicherer werden möchte.

Liebe Grüße,
Cassiopeia

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07 Juli 2008 09:49 #4071 von Katrin27
Katrin27 antwortete auf Trauerarbeit
Hallo Cassiopeia!

Ich denke, dass Deine Vorgehensweise sehr gut ist, da der Sterbende die Begleitung benötigt und die Angehörigen jemanden haben, der ihnen das Gefühl von Sicherheit vermittelt, nicht alleine gelassen zu sein. Wichtig ist eben imer, dass im Vorfeld Biografiearbeit erfolgt ist, dass ich weiß, welcher Konfession der Sterbende angehört und inwieweit sich diese erhalten hat und welche Bedeutung der Sterbende ihr beimisst.
Die Angehörigen meines Seniorenheimes waren immer sehr froh, dass jemand mit im Zimmer war und "die Führung" dahingehend übernommen hat, dass man mal was zu Trinken angeboten hat und auch den Angehörigen  mal ein gutes Wort oder eine Umarmung hat zukommen lassen.
Generell gibt es einfach nicht DIE Lösung, da jeder "Sterbefall" individuell verschieden ist.
Ich habe mittlerweile von einigen Einrichtungen gehört, die in der Sterbephase mit einer euthymen Therapie oder Snoezelen gearbeitet haben, was mir nicht so richtig gefällt. Man muss sich ja schließlich auf den Sterbenden einlassen und nach ihm richten - nicht umgedreht.
Ansonsten habe ich nur "gute" Erfahrungen mit der Sterbebegleitung erlebt. Meine Bewohner sind mir alle friedlich nach einem zum Teil sehr langen Leben entschlafen.

Viele Grüße!  Katrin

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09 Juli 2008 13:13 - 18 Juli 2008 20:17 #4089 von Jana
Jana antwortete auf Trauerarbeit
Hallo!

Das Thema und die bis jetzt beschriebenen Situationen interessieren mich sehr. Vor allem auch in Vorbereitung auf mein Diplomthema. Ich hoffe, dass noch viele ihre Erfahrungen hier schildern werden.

Ich habe folgendes gefunden, was eventuell eine kleine Hilfe sein kann:
Rituale des Abschieds

LG! Jana

Habe den Link gekürzt - LG Nadja

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25 Juli 2008 11:27 #4204 von Jana
Jana antwortete auf Trauerarbeit
Danke Nadja! :)

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25 Juli 2008 16:55 #4205 von Anonymous
Anonymous antwortete auf Trauerarbeit
Hallo Cassiopeia!

Du beschreibst wirklich gut, wie Hilflos man eigentlich dem Tod gegenüber steht. Leider geht man in unserer Gesellschaft recht verhalten mit diesem Thema um. Es ist ganz wichtig Bewohner bei Ihren letzten Weg zu begleiten.  Biografiearbeit ist unabdingbar. Auch Angehörige kann und darf man nicht außen vor lassen. Auch diese muß man begleiten. Sie sind sehr oft Hilflos. In unserer Einrichtung haben zwei Ehefrauen signalisiert, in den letzten Stunden bei Ihren Ehemännern auf dem Sofa zu schlafen. Dies sollte man akzeptieren. Es ist auch wichtig in dieser Zeit Angehörige mit Essen und Trinken zu versorgen. Auch sie brauchen die Hand auf der Schulter, das Gefühl für sie da zu sein.

Wenn dann der Tod eingetreten ist haben wir Abschiedsrituale. Der Verstorbene wird gebettet, eine Kerze angebrannt und eine leise Abschieds - CD läuft im Hintergrund. Angehörige sind sehr dankbar sich in "Ihrer" angemessen Zeit zu verabschieden.

Auch andere Bewohner sollten dies erfahren. Wir besitzen eine Trauerecke. Dort wird der Name und das Sterbedatum aufgestellt. Auch dort brennt für drei Tage eine Kerze. Sehr viele Bewohner nehmen Anteil.

Ich wünsche Dir viel Kraft für Deine Angehörigen.


Viele Grüße Elli

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