Abschied von Bewohner

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06 Apr. 2008 11:58 #3385 von Gugs
Gugs antwortete auf Abschied von Bewohner
Hallo,
ich denke, dass es richtig ist, die Mitbewohner eines Hauses in die Trauer um einen Verstorbenen mit einzubeziehen. Allerdings ist dies wirklich von dem Stadium der Erkrankten abhängig. Ich hatte eine Bewohnerin - zunächst noch nicht an Demenz erkrankt - die das Gedenken an die Verstorbenen einforderte. Sie wollte, dass man ein Sterbelied für den Verstorbenen singen sollte. Auf diesen Vorschlag bin ich zunächst eingegeangen. Mit der Zeit wurde sie aber zunehmend demenzkrank und das "Gedenken" an die verstorbenen Bewohner wurde zur Manie bei dieser Frau. Wir konnten fast nichts mehr anderes durchführen, da sie so auf der Zeremonie beharrte - obwohl z.T. gar kein Todesfall aufgetreten war. Umgekehrt nahmen andere an Demenz erkrankte Menschen keinerlei Notiz vom Tod eines Mitbewohners. Mit zunehmender Demenzerkrankung gehen die Menschen in ihre eigene Welt und nehmen die anderen Mitbewohner überhaupt nicht mehr wahr. So muss man die Frage nach der Einbeziehung der Mitbewohner von dem Stadium der Erkrankung abhängig machen. Die Vorschläge, die Ihr bisher gemacht habt, finde ich sehr schön. Wir haben ähnliche Dinge durchgeführt. Das Abschiednehmen ist auch für die Mitarbeiter wichtig wie Ihr schon gesagt habt. Ich erinnere mich an eine Situation, die mir sehr deutlich in Erinnerung geblieben ist. Eine dementiell erkrankte Frau lag im Sterben und wir machten umschichtig Sitzwache. Dies ging über sehr lange Zeit. Als ich eines Tages zur Arbeit kam, wurde ich gleich von den Pflegekräften "überfallen", dass diese Frau in der Nacht gestorben sei und ich gleich mitkommen sollte, um zu sehen, wie friedlich und schön sie aussehe. Dies war wirklich so. Die Pflegekräfte hatten sie schön gebettet, ihr Blumen in die Hand gegeben und es war auch für mich dann so friedlich, dass ich gut Abschied nehmen konnte.
Gugs

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