Per USB-Kabel lässt sich der Tölzer Würfel am PC voreinstellen und mit neuen Titeln bestücken.Ein Würfel soll Demenzerkrankte befähigen, Musik abzuspielen? Dieses neuartige Therapiemedium haben wir in einem Altenheim mit Bewohnern in unterschiedlichen Krankheitsstadien ausprobiert. Dank seiner vielen Einstellungsmöglichkeiten lässt sich das technisch ausgeklügelte Gerät auf die Fähigkeiten der Erkrankten gut adaptieren.

Zielgruppe

Der Würfel wurde in erster Linie für Demenzerkrankte entwickelt, die keine herkömmlichen Audiogeräte mehr bedienen können, wie zum Beispiel einen CD-Player. Der Würfel eignet sich aber für alle Menschen mit gestörter Feinmotorik.

Was ist der Tölzer Würfel und wie funktioniert er?

Der Tölzer Würfel ist ein lageabhängiges Wiedergabegerät von Musik- und anderen Audiodateien wie zum Beispiel Gedichten oder Märchen. Eine Drehung des Würfels leitet den Abspielvorgang des Stücks ein, das der entsprechenden Würfelseite zugeordnet ist. Bei einer starken Demenz kann der Nutzer den Würfel auch so einstellen, dass eine beliebige Bewegung des Würfels genügt, um den Abspielvorgang einzuleiten. Wenn der Demenzerkrankte vergessen hat, wozu der Würfel dient, soll die zufällige Bewegung den Abspielvorgang auslösen. Ergotherapeuten oder Betreuer können den Würfel auch so einstellen, dass nicht nur das einer Würfelseite zugeordnete Musikstück, sondern alle auf dem Würfel gespeicherten oder in einer Gruppe zusammengefassten Titel wiedergegeben werden. In der Standardeinstellung geht der Würfel nach Beendigung des Tonstücks wieder in den Wartezustand über. Dann startet erst eine neue Lageveränderung ein weiteres Stück. Per Tastendruck oder durch kräftiges Schütteln kann der Nutzer die Wiedergabe abbrechen. Die Kantenlängen des Würfels betragen neun Zentimeter.

Dank Akku und eingebautem Lautsprecher eignet sich der Tölzer Würfel für den mobilen Einsatz.Technische Ausstattung

Der Hersteller Plejaden liefert den Tölzer Würfel zum sofortigen Einsatz bereit: Zwischen sechs Titel-Gruppen (Klassik, Tanzmusik der 20er-Jahre, Stimmungslieder, Fahrtenlieder, Kinderlieder, Gedichte und Märchen) kann der Nutzer durch Druck auf Punkte der Sechserseite wählen. Dabei leuchtet die entsprechende Diode der ausgewählten Gruppe auf. Die auf dem Würfel gespeicherten Tondokumente ermöglichen eine sofortige Inbetriebnahme, dienen jedoch vorrangig als Beispiele. Um neue, für seine Klienten interessante Tondokumente in den Formaten MP3 oder WMA im Flash-Speicher des Würfels abzulegen, kann ihn der Nutzer per USB-Kabel mit einem Windows-PC verbinden. Die Hälfte der 256 MB Flash-Speicher ist allerdings schon mit der Software und der Erstkonfiguration belegt. Die Software hilft, die Audioclips den unterschiedlichen Seiten des Würfels zuordnen. Sie ist kompatibel zu allen Windows-Betriebssystemen ab Windows 98. Da der Würfel über einen Akku und eingebaute Lautsprecher verfügt, eignet er sich für den mobilen Einsatz. Die Akkukapazität reicht laut Hersteller für rund acht Stunden Dauerbetrieb bei mittlerer Lautstärke. Etwa zwei Stunden dauert das Wiederaufladen. Ein passendes Ladegerät, das USB-Kabel zur Verbindung mit dem PC und eine verständliche Betriebsanleitung gehören zum Lieferumfang.

Reaktion der Demenzerkrankten

Der Würfel wurde in der Einzeltherapie, in einer Gruppe mit leicht dementen Personen und in einer Gruppe mit mittelschwer Demenzerkrankten ausprobiert.
Am besten eignet sich der Würfel für die Einzeltherapie oder für eine Kleingruppe. Bei einer großen Gruppe von über vier Personen fällt es den einzelnen schwer, die Texte akustisch zu verstehen, bei Melodien stellt das kein Problem dar. Der Würfel ist wegen seiner geringen Größe einfach zu transportieren und kann deshalb gut zu Einzeltherapien in die unterschiedlichen Bewohnerzimmer mitgenommen werden. Personen mit einer leichten Demenz erstaunte der "Zauberwürfel" sehr. Sie drehten ihn nach einem beendeten Musikstück meistens ohne Aufforderung um, so dass er immer wieder ein neues Tonstück abspielte. Der Würfel wurde vor den Gruppenstunden auf den Tisch gelegt, um die Zeit zu überbrücken, bis alle Teilnehmer anwesend waren. Die Patienten benutzten ihn viel und sangen die Lieder mit. Besonders gut eignet sich der Würfel für mittelschwer Demenzerkrankte, die sich viel taktilen Input suchen. Sie waren stolz, eigenständig Musik auszulösen. Personen, die kaum Interesse an taktilen Reizen haben, wurden auf das Drehen des Würfels aufmerksam gemacht. Sie drehten den Würfel dann gegebenenfalls mit Unterstützung. Damit auch Schwerkranke von ihm profitieren, sollte der Wiedergabe-Auslösungsmodus von "Kipp-Bewegung" auf "beliebige Bewegung" umgestellt werden. Schließlich setzt im ersten Modus die Notwendigkeit, den Würfel auf eine andere Zahl zu drehen, ein gewisses Erinnerungsvermögen des Patienten voraus. Entsprechend selten lösten Schwerkranke einen Abspielvorgang aus. Das funktionierte besser Im zweiten Modus, der Musikstücke bei jeder Bewegung wiedergibt.

Fazit

Der Würfel brachte unterschiedliche Reaktionen hervor, abhängig vom Demenzstadium, dem taktilen Reizbedürfnis und der Bewegungsfähigkeit der einzelnen Personen. Viele Bewohner waren auf Anhieb begeistert. Manche Personen wurden langsam an den Würfel herangeführt, da sie nicht sofort etwas mit dem glatten und festen Kunststoffgegenstand anzufangen wussten. Mit Unterstützung fanden sie aber Zugang zum Gerät. Da der Würfel unterschiedlich einstellbar ist, kann ihn der Nutzer gut an die Fähigkeiten der einzelnen Personen anpassen, damit er attraktiv wirkt.

Erhältlich bei Plejaden für 250 Euro.

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