Buchcover "Fantasiereisen I" von Maria MetzgerManchmal träumt man sich einfach nur weit weg, besucht in Gedanken vertraute Orte oder erträumt sich Gegenden, die man einmal durchstreifen möchte. Maria Metzger lässt in ihrem Buch "Fantasiereisen: Geschichten zum Entspannen und Erinnern" Orte im Geiste entstehen, die auch Bewohner zur Ruhe kommen lassen und Entspannung ermöglichen. Rezensentin Jana Küttner hat das Buch gelesen und in der Praxis ausprobiert.

Die Vorbereitung

Als diplomierte Krankenschwester mit eigener Praxis für Gesundheit und Entspannung arbeitet Maria Metzger in ihrer Rolle als Therapeutin in verschiedenen Kontexten oft mit Entspannungsreisen. Nach guten Erfahrungen in der Seniorenarbeit beschloss sie, ihre Geschichten in Buchform aufzuschreiben.

Metzger gibt zunächst einen Überblick zum Aufbau einer Entspannungsstunde. Nach Informationen zu Zeitplanung, Dauer und Ort der Durchführung gibt sie Hinweise zu Gruppenstruktur und Gruppengröße. Der Raum sollte gut vorbereitet, die Kreismitte ansprechend und möglichst zum Thema gestaltet sein. Anschließend erklärt sie die Durchführung und zeitlichen Ablauf.

Los geht die Fantasiereise!

Nach der Begrüßung empfiehlt sie eine Einstimmung durch leichte Gymnastik, die fünf Minuten dauern sollte. Es folgt die Hinführung zum Thema, bei der die Teilnehmer zum Beispiel auch das Anschauungsmaterial aus der Kreismitte betrachten und berühren können. Bei der anschließenden Ruhetönung gilt es dann, ganz auf Ruhe, Stille und Entspannung einzustimmen. Bei einer Reise durch den Körper nehmen die Teilnehmer systematisch alle Körperteile im momentanen Zustand wahr, sodass sie anschließend bewusst dem Vorlesen der Entspannungsgeschichte lauschen können. Nach dieser Geschichte, wenn alle erfolgreich gedanklich zurückgekehrt sind, folgt eine Kreislaufmobilisation sowie die Reflexion des Erlebten in einer aktiven Gesprächsrunde. Daran schließt sich passend zum Thema ein Gedächtnistraining an, bevor alle Teilnehmer persönlich verabschiedet werden.

Viele Reiserouten und praktische Tipps

Im nächsten Buchabschnitt schildert die Autorin ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Einsatz der Fantasiereisen. So sei es ganz normal, dass auch mal die Tränen fließen oder ein Teilnehmer einschläft. Das ist nicht schlimm und sollte ruhig angesprochen werden.

Anschließend folgen die insgesamt 23 Fantasiereisen mit jeweils zum Thema passenden Fragen für Gespräche oder Gedächtnistraining. Thematisch reichen die Geschichten von Episoden, die jeder kennt ("Ein Schultag in Ihrer Kindheit", "Im Zirkus"), über jahreszeitliche Ereignisse ("Der Frühling kommt", "Es wird Ostern", "Eine Kutschfahrt im Herbst") bis hin zu gedanklichen Reisen an beliebte Reiseziele ("Eine gemütliche Wanderung im schönen Allgäu", "Spaziergang am Meer", "Ausflug an den Bodensee"). Hinzu kommen ganz alltägliche Geschichten ("In der Gärtnerei", "Am Ententeich", "Der Besuch meiner Enkelkinder").

Auf den letzten Seiten des Buches gibt es noch eine Auswahl beliebter Fragen zu den Themen Farben raten, Gegenstände im Haushalt, Kleidungsstücke und Nützliches für das tägliche Leben sowie Sprichwörter oder Lieder raten. Maria Metzger schlägt dies als Lückenfüller an Tagen vor, an denen sich die Motivation in Grenzen hält oder am Ende der Einheit noch Zeit übrig ist.

Erfahrungen in der Praxis

Beim Durchblättern des Buchs war ich zunächst skeptisch, da mir die Geschichten etwas lang vorkamen und ich schlecht einschätzen konnte, inwieweit sich meine Bewohner darauf einlassen könnten.

Für meine aufgeschlossene Runde habe ich für das Gedächtnistraining die Geschichte "Bei der Apfelernte" gewählt. Neben einigen rüstigen Bewohnern besuchen auch leicht demenziell veränderte Bewohner das wöchentliche Angebot. Nachdem ich den für diese Stunde leicht veränderten Ablauf erläutert habe, zeigten sich alle sehr gespannt und interessiert. Durch bekannte Angebote wie Gymnastik und Yoga konnten sich die Bewohner gut auf die körperliche Aktivierung und bewusste Körperwahrnehmung (Ruhetönung) einlassen. Beim Vorlesen der Geschichte schlossen viele Bewohner ihre Augen, um sich besser in das Gehörte hineinzuversetzen.

Die anschließende Gesprächsrunde hat offenbart, dass keiner der Bewohner die Geschichte als zu lang oder langweilig empfunden hat. Im Gegenteil! Sie haben sich an viele Dinge aus den eigenen Biografien erinnert und sich in der Runde ausgetauscht. Selbst der Duft der heimischen Äpfel ist einer Bewohnerin wieder in der Nase gestiegen. Danach fanden sich schnell verwandte Themen, sodass es eine unterhaltsame Stunde war, die sehr schnell verging und bei den Bewohnern ein gutes Gefühl hinterlassen hat.

Fazit

Als Ergänzung zu bereits bekanntem oder vorhandenem Therapiematerial kann ich dieses Buch gut empfehlen. Bei verschiedenen Stundenthemen kann es ohne große Vorbereitungszeit eingebaut werden und spricht Bewohner in verschiedenen Stadien der Demenz gleichermaßen an. Ein Einsatz in Kleingruppen oder Einzeltherapie ist ebenfalls denkbar. Und wer gar nicht mehr genug bekommen kann vom Entspannen und Erinnern, greift einfach zu Fantasiereisen II von Maria Metzger, dem zweiten Band, der mittlerweile erschienen ist.

Metzger, Maria (2009): Fantasiereisen. Geschichten zum Entspannen und Erinnern. Hannover: Vincentz Network. 90 Seiten. ISBN-13: 978-3866301047.

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Über die Rezensentin

Jana NiehofJana Küttner ist 31 Jahre alt und seit 2009 Diplom-Ergotherapeutin. Ihre Ausbildung hat sie an der Europa Fachhochschule Fresenius Idstein absolviert und anschließend in Zwickau studiert. Aktuell arbeitet sie je zur Hälfte als Ergotherapeutin in einem Seniorenheim mit 201 Bewohnern und als koordinierende Palliative Care Fachkraft. An einem Nachmittag in der Woche ist sie zudem in einem Hospiz tätig.

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