AP-Bettlaegerige-betreuen180Lebensqualität wird oft mit Aktivität gleichgesetzt. Aber wie geht das, wenn man bettlägerig ist? Was können wir für diesen Menschen Gutes tun? Das Buch Bettlägerige betreuen. Grundlagen, Übungen und Ideen gibt gekonnt Rat. Also eine Pflichtlektüre für Ergotherapeuten?

Basiswissen für Betreuungskräfte

Der Buchinhalt spiegelt genau den Titel wider. Es geht primär um die Betreuung von Bettlägerigen. Zunächst vermittelt es die neurologischen Grundlagen der Reizverarbeitung und geht auf die Bedürfnisse von Menschen im späten Stadium der Demenz ein. Für Fachkräfte wie Ergotherapeuten frischt der theoretische Teil nur das Basiswissen auf. Jedoch ist der erste Teil "Gedankenräume" in vielerlei Hinsiecht eine kleine Fundgrube. Der Inhalt wird mit einfachen Worten und vielen Bildern vermittelt. Positiv fällt auch die Tabelle "Grundlagen der Retrogenese-Theorie“ auf. Fachkräfte können mithilfe dieser Abbildungen ihr Handeln und die Probleme in der Wahrnehmung des Bettlägerigen sowie die groben Bedürfnisse schwer Demenzkranker Menschen leicht den Betreuungskräften und Angehörigen vermitteln. Das Kapitel Gedankenräume dient somit als Basiswissen für den Bereich Betreuung.

Seitenweise Praxistipps

Das Kapitel rund um die praktischen Ideen haben die Autoren "Erfahrungsräume" genannt. Für fast jedes der Unterkapitel gibt es wertschätzende Begriffe. So hat zum Beispiel das Unterkapitel zum Thema Mobilität den Titel "Bewegungsräume" und das Thema Verhaltensweisen und psychische Problemlagen den Titel "Innenräume".

Das Buch geht nicht nur auf alle möglichen positiv Faktoren ein, sondern spricht gezielt die Problem- und Sondersituationen an. Das Kapitel Verhaltensweisen und psychische Problemlagen geht auch speziell auf die frontotemporale Demenz, aggressives Verhalten und Ängste ein.

Positiv ist ebenfalls, dass die Autoren den Umgang mit dem Krankheitserreger MRSA und Menschen mit Sauerstoffversorgung berücksichtigen.

Leichte Zuordnung dank Symbole

So schnell habe ich mich als Leser noch nie ein einem Buch zurechtgefunden. Für alles gibt es ein Symbol oder eine gut erkennbare Überschrift. Immer wieder werden dem Leser passend zum Kapitel theoretische Grundlagen vermittelt, Tipps aus der Praxis gegeben und vor Risiken nebst Kontraindikationen gewarnt. Zudem gibt es oft Fallbeispiele. Sie bestehen immer aus einem beispielhaften Geschehen aus der Praxis, dem Punkt Biografie und schließlich dem Werkzeugkoffer, der die möglichen Maßnahmen bereithält..

Ein Buch für den Fachbereich Demenz?

Jein, denn wie der Titel schon verrät, geht es um alle Bettlägerigen. Jedoch wird das Thema Demenz immer wieder aufgegriffen. Beim Lesen des Buchs fällt auf, dass viele der Übungen zu komplex für Menschen mit deutlichen kognitiven Defiziten sind.  Dennoch lohnt sich der Blick in die einzelnen Kapitel, da Demenz immer wieder Berücksichtigung findet.

Fazit

Eine lohnenswerte Anschaffung für Betreuungskräfte, Angehörige und Ehrenamtliche, die bettlägerige Menschen betreuen. Das benötigte Fachwissen wird kompakt vermittelt und auf mögliche Gefahren und Kontraindikationen zielgerichtet hingewiesen. Für Ergotherapeuten lohnt sich die Anschaffung, wenn sie Betreuungskräfte anleiten oder einfach eine Ideensammlung suchen. Man merkt, dass  alle Inhalte praxiserprobt sind. Erfahrenen Ergotherapeuten bietet es keine neuen Ideen.

Friese, Andrea; Hohenhinnebusch, Sabine (2011): Bettlägerige betreuen. Grundlagen, Übungen und Ideen. Hannover: Vincentz Network. 68 Seiten. 22,80 Euro. ISBN: 3-86630-151-0, 978-3-86630-151-1 

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Kommentare   

#1RE: Bettlägerige betreuen. Grundlagen, Übungen und IdeenJacqueline Dethloff2014-08-09 20:58
:lol: Gut geschriebende Kritik - wobei was mich z.B. Interessiert hätte wenn ich z.B. das Buch 111 Ideen Bettlägrige zu betreuen schon habe - braucht ich dieses Buch dann noch, wenn ich neues erfahren willen...

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