Buchcover Alltagsgeschichten"Das Alltagsgeschichtenbuch" gehört in die beliebte Buchreihe des Vincentz Verlags "Woche für Woche aktivieren“. Bettina M. Jasper ergänzt Geschichten aus dem täglichen Familienleben in den Fünfzigerjahren mit passenden Übungen. Dadurch entstehen  Aktivierungseinheiten. Dieses Buch richtet sich an demente und nicht demente Senioren.

Ganz nah am Leben

Durch Kurzgeschichten gewährt die Autorin Einblick in den Alltag der fiktiven Familie Leber. Diese Familie steht im Mittelpunkt des Geschehens, ihre Erlebnisse können die Senioren bestens nachvollziehen. Die heutigen Alten waren in den Fünfzigern junge Mütter und Väter, die nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren das Wirtschaftswunder miterlebten. Das eigene Haus, die Geburt der Kinder und harte Arbeit prägten diese Zeit. Aber auch ein wenig Wohlstand, wie zum Beispiel der erste Fernseher. Durch "Das Alltagsgeschichtenbuch" erleben Senioren Woche für Woche dieses Jahrzehnt noch einmal mit. So erfahren sie, wie Frau Leber den "Multimix" bekommt, Sohn Peter in der Schule nachsitzen muss, Vater Alfred den Gartenzaun streicht und sich Tochter Lotte mit dem Teppichklopfen abmüht.

Am Buchanfang befindet sich eine "Wer ist wer?"-Seite, die alle Verwandtschafts- und Freundschaftsverhältnisse sowie die Wohnorte klärt. Jedes Wochenthema füllt eine Doppelseite in DIN-A4 aus: links die Kurzgeschichte, auf der rechten Seite Anregungen zum Gespräch und eine Rätselecke. Lesen Sie vor der Anwendung des Buchs unbedingt die Einführung und Anleitung. Dadurch verstehen Sie die einzelnen Aktivierungsbestandteile noch besser und erhalten Anregungen für mehr Ideen.

Ein kritischer Blick

Das Layout ist nicht besonders originell. Auseinanderlaufende Aquarellfarben grundieren die Seiten, die Schrift ist blau und schwarz. Einige Seiten zeigen Bleistiftzeichnungen, zum Beispiel die Skizze einer Spritze und Fotos alter Gegenstände. Nicht jede Geschichte hat ein Bild. Vielleicht regt das die Fantasie und Erinnerung der Senioren an. In bestimmten Fällen ist jedoch die bildliche Unterstützung der Themen bei der Arbeit mit Demenzkranken wichtig. Wenn der Therapeut die Themen anschaulich unterstützen möchte, muss er Material dazu sammeln.

Manchen Geschichten fehlen Pep und die Pointe. Sie gewähren zwar kurze Einblicke in das Leben der damaligen Zeit, jedoch katapultieren sie den Leser abrupt in die Situation herein. Mehrere Episoden brechen auch plötzlich ab und der Anwender bekommt das Gefühl, es fehle etwas.

Fazit

Hinter "Das Alltagsgeschichtenbuch" steckt eine wirklich schöne Idee, nämlich das Suchen des Besonderen im Alltäglichen. Bettina M. Jasper hatte für die Gesprächsanregungen und die Rätselecke gute Ideen, vom Schwierigkeitsgrad eignen sich die Übungen besonders für Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz. Die gestalterische und literarische Umsetzung enttäuscht zuweilen. Das Buch ist nicht schlecht, Anwender müssen die Aktivierungseinheiten aber noch mit eigenen Ideen und Bildmaterial aufpeppen.

Jasper, Bettina M. (2009): Das Alltagsgeschichtenbuch. Hannover: Vincentz Network. 115 Seiten broschiert. ISBN: 3-86630-097-2.

Dieses Buch bei Amazon.de

Kommentare   

#1RE: Alltagsgeschichten - eine Reise in die FünfzigerjahreTrulla-la2011-04-25 09:17
Hallo

Hab gerade eure Rezension entdeckt.
Die fällt in diesem Fall ja nicht ganz so positiv aus.

Besonders der viel mir auf.
Zitat:
Manchen Geschichten fehlen Pep und die Pointe. Sie gewähren zwar kurze Einblicke in das Leben der damaligen Zeit, jedoch katapultieren sie den Leser abrupt in die Situation herein. Mehrere Episoden brechen auch plötzlich ab und der Anwender bekommt das Gefühl, es fehle etwas.
Wenn es um das Lesen/Vorlesen und darüber aufgreifen "alter Zeiten" geht, hab ich etwas für mich gefunden.
Schaut euch mal die Bücher aus dem Zeitgut Verlag an.

Habe bisher
"Wo morgens der Hahn kräht"
"Barfuß übers Stoppelfeld."

Lese immer mal daraus vor oder verbinde es mit 10 Min. Aktivierung, Erinnerungsarbeit oder Biographie.
Sind keine Bücher die einem die Ideen liefern, aber die Geschichten sind von Betroffenen selbst erzählt, recht kurz und authentisch.
Lassen viel Raum für eigene Umsetzung.

Es gibt verschieden Reihen. Inzwischen auch Bücher zu den "Wirtschaftswunderjahren".
Die Preise sind erschwinglich.

Für neugierige, hier mal ein Link
Zeitgut Verlag (www.zeitgut.com/)

Denke auch die/der ein oder andere Ergo könnte sich dafür erwärmen. ;-)


Ansonsten arbeite ich gerne mit manchen Büchern des Vincentz Verlags
#2RE: Alltagsgeschichten - eine Reise in die Fünfzigerjahrestiftersister2011-05-01 22:38
Das Buch, Als Oma das Papier noch bügelte - Willi Fährmann, kann ich nur empfehlen.
Ist sehr gut bei den Bewohnern angekommen, es entwickelten sich sehr gute Gespräche!
Sowohl bei Dementen, als auch bei fitten Bewohnern!;-)

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