Paro im Einsatz
Foto: AIST (www.aist.go.jp)
Babyrobbe Paro sieht niedlich aus: Er hat weißes Fell, ein süßes Stupsnäschen und schwarze Kulleraugen. Paro öffnet Herzen und senkt den Puls von Demenzkranken. Dabei ist Paro gar kein echtes Tier, sondern ein Roboter.

Konstruktion und Fähigkeiten von Paro

Paros Entwicklung dauerte zwölf Jahre und kostete zehn Millionen US-Dollar. Nachdem das Robbenbaby in japanischen Altenheimen großen Anklang gefunden hat, setzen es künftig auch deutsche Einrichtungen bei Demenzkranken ein. Mehrere Altenheime testen das Kuscheltier bereits. Das Robbenbaby besitzt eine ausgeklügelte Software und wirkt dadurch fast echt. Es reagiert durch drei Computerchips und fünf Sensoren auf 10.000 Reize: Paro fiept, bewegt bei Streicheleinheiten die Flosse oder den Kopf, reagiert auf seinen Namen und unterscheidet fünfzig Stimmen. Der Gefährte merkt sich, wenn der Bewohner ihn schlägt und reagiert dann beleidigt. Paro hat ein antibakterielles und schwer entflammbares Fell und eignet sich deshalb für den Heimalltag. Durch die elektromagnetische Abschirmung ist die enthaltene Elektronik für Menschen mit Herzschrittmachern unbedenklich. Paro ist äußerst pflegeleicht. Man muss ihn nur hin und wieder mit einem Desinfektionsspray besprühen und anschließend bürsten. Etwa alle 20 Minuten muss er zum Aufladen seiner Batterien an die Steckdose. Dann nuckelt Paro Strom über einen Schnuller.

Paro mit Schnuller
Foto: AIST (www.aist.go.jp)
Auswirkung auf die Bewohner

Studien haben gezeigt, dass der Umgang mit Paro Demenzkranke entspannt, ihr Immunsystem stärkt und zur Kommunikation anregt. Durch seine beruhigende Wirkung benötigen die Pflegeheimbewohner weniger Beruhigungsmittel. Tierliebhabern kann das 50 Zentimeter lange Stofftier auch als Ersatz für das eigene verstorbene Haustier dienen.

Technik statt menschlicher Betreuung?

Es gibt bereits viele technische Hilfsmittel, um Demenzkranken das Leben zu vereinfachen: Elektronische Wochen-, Datums-, und Tagesanzeiger oder Systeme, die den Patienten durch Signale an den Betreuer vor dem Weglaufen schützen. Da diese Geräte weniger die Emotionalität ansprechen, stoßen sie im Gegensatz zum Robbenbaby kaum auf Kritik. Experten der deutschen Altenhilfe warnen: Soziale Roboter dürfen trotz einer vergreisenden Gesellschaft die menschliche Betreuung keinesfalls ersetzen, sondern allenfalls ergänzen. Aber soll Paro wirklich menschliche Betreuung ersetzen oder nicht vielmehr tierische?

Paro in weiß und beige
Foto: AIST (www.aist.go.jp)
Dabei sei die Täuschung keineswegs so perfekt, dass die Bewohner Robotertiere für echt hielten, sagt William Banks, Forscher der Saint Louis Universität im US-Bundesstaat Missouri. Es scheine, so Banks, dass die Menschen sich stark zu dem Tier hingezogen fühlen, obwohl sie wissen, dass es ein Roboter ist. Heiko Fillibeck vom Kuratorium Deutsche Altenhilfe betont, dass der Umgang mit lebenden Tieren weiterhin gepflegt werden solle. Eine solche Elektro-Robbe beruhige eher. Echte Tiere könnten laut Fillibeck aber oft helfen, Senioren aufzumuntern, wenn sie sonst sehr in sich gekehrt sind. (Quellen: echo-online.de, 3sat.de, pflegeheime-und-altenheime.de.)

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