GinkgozweigFoto: aboutpixel.de © Norbert Anspach Die Demenzforschung überrascht derzeit immer wieder mit erstaunlichen Ergebnissen: Galt Ginkgo bisher als Wunderwaffe schlechthin gegen Demenz, stellt nun eine amerikanische Studie die Wirksamkeit der Pflanze infrage. Positiv hingegen soll Handystrahlung wirken. Obgleich von manchen als Auslöser von Hirntumoren verdächtigt, kurieren sie Gedächtnisverlust bei gealterten Mäusen.

Ginkgo hilft nicht bei Demenz

Laut Pharmakologen ist Ginkgo eines der am häufigsten verkauften pflanzlichen Arzneimittel in den USA und Europa. Viele Produkte mit Ginkgoextrakten versprechen ein gutes Gedächtnis bis ins hohe Alter. Gemäß einer amerikanischen Studie kann die Einnahme von Ginkgoextrakten den kognitiven Abbau im Alter allerdings nicht stoppen. Forscher der Universität in Pittsburgh hatten über einen Zeitraum von sechs Jahren mehr als 3.000 Personen beobachtet. Die 72- bis 96-jährigen Studienteilnehmer waren zu Studienbeginn gesund oder litten bereits unter einem leichten kognitiven Verfall. Für die Langzeituntersuchung nahmen sie entweder zweimal täglich 120 Milligramm Ginkgoextrakt oder Placebo ein. Zu Beginn der Studie und nach sechs Jahren führten die Forscher verschiedene standardisierte Tests durch, mit denen das Gedächtnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit und andere kognitive Fähigkeiten gemessen wurden. Das Ergebnis: Die Einnahme des Extraktes konnte den altersbedingt geistigen Verfall sowie frühe Symptome der Demenz nicht stoppen. Auch in Bezug auf Geschlecht, Alter, Bildung und das Ausmaß der vor der Studie bereits festgestellten geistigen Schwächen zeigte sich kein Effekt.

Handystrahlen gegen Alzheimer

Vielversprechend erscheint das Tierexperiment der Arbeitsgruppe von Gary Arendash. Im Alzheimer Disease Research Center in Tampa, Florida setzten sie hundert Mäuse, die gentechnisch verändert waren und somit die Anlage zur Alzheimer-Erkrankung in sich trugen, einer Antenne aus. Die funkte zweimal täglich für jeweils eine Stunde Handystrahlen. Bei den älteren kranken Mäusen verschwand der Gedächtnisverlust. Die jüngeren Mäuse erlitten keine Gedächtnisschäden. Die Strahlen bauen nach Ansicht der Forscher das für die Entstehung von Alzheimer verantwortliche Eiweiß Beta-Amyloid im Gehirn wieder ab oder verhindern die Ablagerung. Mobilfunkstrahlung führt bekanntlich zu einer leichten Erwärmung der jeweils bestrahlten Gehirnregion. Das beschleunigt möglicherweise den Abbau des tückischen Proteins. Die Forscher halten eine Übertragung der Ergebnisse auf Menschen für möglich. Laut Gary Arendash können diese Ergebnisse sogar Möglichkeiten für eine Alzheimertherapie ohne herkömmliche Medikamente eröffnen.

Quellen: Deutsches Ärzteblatt, apotheke adhoc, Science ORF.at, Short News, Wissenschaft-aktuell, Focus (1), Focus (2),  n.tv, Kurier, Lifego, golem, netzwelt, netdoktor, süddeutsche

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