Bleistiftzeichnung aus einem WorkshopBei der internationalen Fachtagung, die am 27. April in Köln stattfand, berichteten Experten über Kreativität im Alter. Die Tagung führte den Besuchern viele kulturelle Betätigungen für alte Menschen vor Augen: Theater, Musik, Besuch von Ausstellungen und vieles mehr. Gäste und Referenten waren sich einig, dass Kunst viel zu wenig in Altenpflege-Institutionen eingesetzt wird und großer Forschungsbedarf in diesem Bereich besteht. Besonders die "rüstigen Alten" streben nach kognitiven Herausforderungen durch kreative Teilhabe.

Kulturelle Teilhabe ist mehr als Bingospielen

Publikum der PodiumsdiskussionDen Einführungsvortrag "Beyond Bingo: Die Bedeutung von Kreativität und kultureller Teilhabe für Gesundheit und Lebensqualität im Alter" hielt Dr. Gay Hanna, Leiterin des National Center for creative Aging (NCCA) in Washington DC. Die von ihr zitierte Studie kommt zu dem klaren Schluss: Wer kulturelle Förderung erhält, bleibt gesünder. Anschließend berichtet Professor Dr. Hans Hermann Wickel von der Fachhochschule Münster über Erkenntnisse aus der Musikgeragogik. Von dem "Arts in Care"-Programm berichtete Elly McCrea aus Dublin: Demenzkranke nehmen an einem achtwöchigen Vollzeitkurs teil, bei dem sie künstlerisch tätig sind. Die Aktivitäten übermitteln sie später ihren Kommunen. Pam Schweitzer vom European Reminiscence Network in London stellte die Erinnerungsarbeit vor. Ihre Angebote unterscheiden sich allerdings nicht von den Tätigkeiten, die Ergotherapeuten in Deutschland mit Demenzkranken durchführen: Theater, Tanz, Volkslieder und Backen.

Werk aus der FotoausstellungAußerdem bot die Tagung unterschiedliche Workshops über Theaterarbeit, Museumsbesuche, Kreativität im Pflegealltag und Musik. Die Workshops kamen bei den Teilnehmern sehr gut an. In der Pause besuchten viele den Bücherstand oder bewunderten die Fotoausstellung.

An der abschließenden Podiumsdiskussion beteiligten sich neben Vertreter der Staatskanzlei des Landes Nordrein-Westfahlen auch Vertreter des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Einigkeit bekundeten alle darüber, dass die Wertschätzung gegenüber alten Menschen noch ansteigen müsse. Demenz werde zu oft mit Vergeblichkeit verbunden. Zudem spare der Staat an kulturellen Angeboten für diese Klientel. Folglich müssten Aufklärung und die Endtabuisierung der Demenzerkrankung ebenso Gegenstand der Bemühungen werden wie vermehrte Kulturangebote in der Altenarbeit.

Die Botschaft der Ergotherapie dringt durch

Die Tagung zeigte, dass sich andere Berufsgruppen immer stärker dem Konzept der Ergotherapie annähern. Scheinbar reift auch andernorts die Erkenntnis, dass Kunst nicht nur Selbstzweck ist, sondern zu mehr Lebensqualität verhelfen kann. Tatsächlich fördern künstlerische Tätigkeiten alte Menschen, insbesondere Demenzkranke, in sämtlichen Bereichen. Ergotherapeuten bot die Tagung hingegen keine neuen Ansätze. Allerdings lieferte sie einen guten Überblick über die aktuelle Forschungslage und Trends.

Link zum Tagungsbericht des Europäischen Zentrums für Kultur und Bildung im Alter (KUBIA)

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