Eingang zum CCHVom 22. bis zum 25. Mai fand in Hamburg der 8. Europäische Ergotherapie-Kongress statt und setzte klare Trends im Bereich Geriatrie: Mehr Klientenzentrierung, eine ganzheitliche Sicht auf den Patienten in seinen verschiedenen Rollen, gesteigerter Einsatz technischer Hilfsmittel und verstärkte Angehörigenarbeit. An Bedeutung zugenommen haben außerdem ambulante Ergotherapie und Präventionsmaßnahmen. Die außergewöhnliche Kongress-Atmosphäre zeigt unsere Fotostrecke.

Große Vielfalt an geriatrischen Vorträgen

Referenten aus ganz Europa hielten über 30 Vorträge zum Thema "Ältere/alte Menschen", zehn von ihnen beschäftigten sich explizit mit Demenz. Ergänzend bot die Professorin Gail Mountain von der Universität of Leeds einen Workshop über die Rehabilitation von Demenzpatienten an. Ergotherapeuten, die im geriatrischen Arbeitsfeld tätig sind, konnten sich somit intensiv und umfassend in ihrem Fachgebiet weiterbilden. Die hohe Präsenz dieses Bereichs beim Kongress belegt, dass die Geriatrie einen immer größeren Stellenwert in der Ergotherapie einnimmt.

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Unterstützung durch Alltagsbegleiter

Besonders visionär war der Hauptvortrag über Ergotherapie für ältere Menschen im Europa des Jahres 2020. Professorin Lena Borell vom Karolinska Institut Stockholm wies darin auf die drastische Zunahme von älteren, gesundheitlich beeinträchtigten Menschen in der Gesamtbevölkerung hin - ein Phänomen, das auch viele andere Beiträge problematisierten. Zugleich zeigte Borell Wege auf, wie die Ergotherapie dieser Entwicklung begegnen kann. Ihr Projekt zur Sturzprävention ist nur eine von vielen möglichen Antworten. Ferner betonte sie die Wichtigkeit technischer Hilfsmittel für ältere Menschen, die in ihrer Teilhabe eingeschränkt sind. Sie erwog sogar den Einsatz von Robotern in der Ergotherapie. Schließlich zeigt eines ihrer Forschungsergebnisse: Alte Menschen wünschen sich einen Alltagsbegleiter, der sie bei Alltagstätigkeiten vor allem unterstützt. Dies sei weitaus wichtiger, als ihnen Tätigkeit ganz und gar abzunehmen. Für Ergotherapeuten stelle die Ausbildung solcher Alltagsbegleiter außerdem ein neues Arbeitsgebiet dar.

Angehörige stärker einbeziehen

Agnes Willinger und Kathrin Beinke referierten über die Bedeutung der Angehörigenarbeit bei Demenzkranken. Angehörige sollten einen hohen Stellenwert in der ambulanten Ergotherapie einnehmen, um zum Beispiel Therapieinhalte in den Alltag des Erkrankten zu übertragen. Sie schlugen vor, einen entsprechenden Leitfaden für Ergotherapeuten zu entwickeln. Elsbeth Müller hat die Sichtweise pflegender Angehöriger auf die Alltagsbetätigungen ihrer demenziell erkrankten Partner untersucht. Ihr Fazit: Für Ergotherapeuten gelte zukünftig, dass sie nicht nur die erkrankten Menschen behandeln, sondern die Angehörigen gleich mit. Schließlich litten auch sie beträchtlich unter der Demenz eines Familienmitglieds.

Technik für Demenz-Haushalte

Einen wachsenden Stellenwert in der Ergotherapie bei Demenzkranken werden technische Hilfsmittel einnehmen. Camilla Malinowsky etwa untersuchte den Umgang Demenzkranker mit technischen Hilfsmitteln wie Wasserkocher, Herd oder Fernbedienung. Ihre Studie könnte anderen Forschern als wichtige Grundlage dienen, um demenzgerechte Hilfsmittel herzustellen.

Weitere Trends

Besonders die ambulante Ergotherapie bei Demenzpatienten nimmt weiter zu. Daneben wird sich die Befundung mehr und mehr an ergotherapeutischen Modellen wie dem CMOP (Canadian Model of Occupational Performance) und speziellen Testverfahren wie dem MMST (Mini-Mental-Status-Test) orientieren. Nicht zuletzt avanciert die Klientenzentrierung zu einem immer wichtigeren Schlagwort auch bei der Therapie demenziell Erkrankter.

Fazit: teuer, aber gut

Nicht nur auf fachlicher, sondern auch auf persönlicher Ebene und durch seine Atmosphäre vermochte der Kongress zu überzeugen: Besucher erhielten vielfältige Informationen über aktuelle Ergotherapie-Themen aus ganz Europa, knüpften mitunter internationale Kontakte und trafen alte Freunde, Kommilitonen und Wegbegleiter wieder. Zwischen den Vorträgen blieb genügend Zeit, um auf der großen Fachausstellung neue Therapieprodukte zu entdecken, mit Kollegen einen Kaffee zu trinken oder das tägliche Lunchpaket abzuholen. Ein breites Rahmenprogramm, wozu auch die Willkommensparty und eine feierliche Abschlussveranstaltung zählten, rundete den insgesamt vortrefflich gelungenen Kongress ab. Einziger Wermutstropfen: die hohen Eintrittspreise, die viele Ergotherapeuten nicht einfach aus eigener Tasche bezahlen konnten und die so dem Kongress gezwungenermaßen fernblieben.