Mottobild UmfrageUm den Sinn rein pflegerischer Tätigkeiten von Ergotherapeuten im Seniorenheim rankt sich bereits eine Vielzahl von Diskussionen (1,2). Deshalb wollten wir durch die letzte EbeDe-Umfrage ermitteln, wie viele Ergotherapeuten tatsächlich in der Pflege oder auch im ADL-Training (Training von Aktivitäten des täglichen Lebens) arbeiten.

Die Auswertung ergibt, dass exakt die Hälfte der 42 Teilnehmer pflegerische Tätigkeiten durchführt, dies aber nur im Rahmen von ADL-Training. Sie erbringen mit dem ADL-Training eine ergotherapeutische Leistung, die im Heilmittelkatalog auch als mögliche Aufgabe eines Ergotherapeuten aufgelistet ist. Weiterhin führt rund ein Viertel der abstimmenden Personen pflegerische Tätigkeiten teils im Rahmen von ADL-Training, teils aber auch rein pflegerisch durch. Nur sechs der an der Umfrage beteiligten Personen übernehmen weder rein pflegerische Tätigkeiten noch ADL-Training und nur drei Personen verrichten pflegerische Tätigkeiten nie im Rahmen von ADL-Training, sondern ausschließlich mit rein pflegerischem Hintergrund.

Umfrageergebnis

Ergotherapie und Pflege: Verschiedene Zielsetzungen

Oft ist der Unterschied zwischen dem Verrichten der ADL-Trainings durch Ergotherapeuten oder Pflegekräften im ersten Moment nur schwer zu erkennen: Der Ergotherapeut führt im Gegensatz zur Pflegekraft vor der Maßnahme eine Befundung am Bewohner durch und entwickelt daraus – idealerweise zusammen mit dem Bewohner – eine individuelle Zielsetzung. Diese besteht meist darin, bestimmte Fähigkeiten des Bewohners zu fördern. Die Pflegekraft fokussiert hingegen stärker das Endresultat der Maßnahme als Ziel, beispielsweise dass der Bewohner fertig gewaschen und angezogen ist. Der Unterschied zwischen der Arbeit von Ergotherapeuten und Pflegepersonal besteht auch darin, dass sich die ergotherapeutische Leistung nicht nach dem erbrachten Zeitaufwand bemisst, sondern anhand der Verwirklichung der gesetzten Behandlungsziele.

Sinnvolle Zusammenarbeit

Der Zuschnitt des Aufgabengebietes von Ergotherapeuten im Altenheim richtet sich fundamental am Gesamtkonzept der Einrichtung aus. Handelt es sich um eine Demenzstation mit ganztägiger ergotherapeutischer Betreuung, für die ein bereichsübergreifendes Konzept vorliegt? Dann sollte eine effektive, für alle Seiten zufriedenstellende Zusammenarbeit bestehen. Die Ergotherapie beispielsweise entlastet die Pflege, indem sie morgens die Grundpflege im Rahmen eines ADL-Trainings mit dem Bewohner durchführt. Die Pflegekraft entlastet stattdessen den Ergotherapeuten, indem sie Bewohner zum Ort eines Gruppenangebotes bringt.

Qualitätsverlust bei Kompetenzüberschreitung

Wenn sich allerdings die Aufgaben mehrerer Berufe zu stark vermischen, könnten die einzelnen speziellen Berufe in ihrer heutigen Form bald verschwinden. Wer überdies einen multidisziplinären Dilettantismus verhindern will, muss Grenzen ziehen. Pflegekräfte und Ergotherapeuten haben von Grund auf verschiedene Ausbildungen: Kein Ergotherapeut wird ohne pflegerisches Spezialwissen eine Wundversorgung vornehmen können und eine Pflegekraft kann den Bewohner nicht ohne spezielle Ausbildung nach dem Affolterkonzept führen.

Aus eins mach zwei?

Wo allerdings verläuft die Grenze? Wer setzt sie? Setzen Ergotherapeuten selbst die Grenze, da sie sich als Pflegehilfskräfte ausgenutzt fühlen? Setzen die Pflegemitarbeiter die Grenze, weil die Ergotherapeuten sich zu stark in ihre Arbeit einmischen? Setzt der MDK die Grenze, weil dringend benötigte Kompetenzen nicht in der entsprechenden Berufsausbildung gelehrt werden? Welche Vorteile entstünden, wenn sich die Aufgaben mehrerer Berufe so vermischten, dass bestimmte Berufe wegfielen und es nur noch den Beruf "Pflege- und Therapiemitarbeiterin im Seniorenheim" gäbe?

Ergotherapeuten im Seniorenheim sollten sich angesichts vieler ungeklärter Fragen überlegen, wie sie ihren Beruf sehen, welche Tätigkeiten sich noch unter kollegialer Kooperation verbuchen und sinnvoll mit ihrem Beruf vereinbaren lassen.

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